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Jun
07

Für Alle und Jedermann: alltägliche Gesundheitspflege aus dem Reich der Mitte

Wie bleibt man gesund?

Ernährung und Ernährungsgewohnheiten

Yangsheng - gesunde NahrungsmittelGute Ernährung und die richtigen Ernährungsgewohnheiten sind oft das erste, woran Chinesen denken, um die eigene Gesundheit zu verbessern. „Ernährung ist wichtig wie das Wasser für die Pflanzen oder Benzin für das Auto. Das muss man!" Dabei geht es aber nicht vorrangig um Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Nährstoffe – vielmehr wird geschaut, welche speziellen Nahrungsmittel mit 'regulierender' oder besonders gesundheitsförderlicher Wirkung für die eigene Konstitution und Situation passend sind. So werden z.B. getrocknete Litschi, Berberitze, verschiedene kleine Pilze, Ingwer, Ginseng und weitere Dinge verwendet. Darüber würde im Prinzip fast jeder Erwachsene Bescheid wissen, so die Aussagen meiner Interviewpartner.

Auch als Gastgeschenk würden sich einige dieser speziellen 'Nahrungsmittel' gut eignen. Während die 'kleinen Kaiser'8 inzwischen auch in China mit Süßkram, Chips und Co. erfreut werden, erhalten die Älteren statt dessen verschiedene Kräuterpulver, Tinkturen und oftmals auch Hochprozentiges wie z.B. Schlangenschnaps, Ameisenschnaps oder Ginsengschnaps. Der Klassiker ist natürlich ein guter grüner Tee. Gleichzeitig findet man jedoch an jeder Ecke kleine Läden, die manchmal nichts anderes verkaufen, als Alkohol (meist 白酒 báijiǔ) und Zigaretten. Ebenfalls ein Standardgastgeschenk unter der älteren Generation.
Nahrungsergänzungsmittel oder 'functional food' wie bei uns werden hingegen ebenso abgelehnt, wie westliche ( 'chemische') Arzneimittel. Umgekehrt waren nicht wenige der in Deutschland lebenden Chinesen davon überzeugt, dass wir Deutschen viel zu wenig Wert auf die eigene Ernährung und Ernährungsgewohnheiten legen würden. Essen sei doch weit mehr als nur Nahrungsaufnahme und Sättigung. „Ich hatte mal einen Freund, einen Deutschen, der konnte mehrere Wochen immer aus dem Kühlschrank essen ...einfach die kalten Sachen genommen und gleich in den Mund gesteckt. Das kann ich schon überhaupt nicht verstehen." Essen als soziales Ereignis, der Genussaspekt von Speisen und deren biologische Qualität würden hingegen viel zu gering geschätzt. „Die Deutschen gehen dann immer zu dem Aldi einkaufen – und dann sie wundern sich warum das nicht schmeckt."
Um nicht Shànghuǒ zu werden, wird angeraten, Speisen mit zu viel Yang zu vermeiden oder nur mäßig zu verzehren. Besonders rotes Fleisch, alles Scharfe wie Knoblauch, Ingwer und besonders Chili, aber auch jegliche Form von frittierten Spießen zählen hierzu. Im Winter hingegen können es doch durchaus auch einmal etwas mehr Lammfleisch9 sein. Das hilft der Winterkälte zu widerstehen. Und so sieht man bereits im Herbst die Menschen allerorten in den Straßenrestaurants um einen 'Feuertopf' (火锅') sitzen, und ihr Lammfleisch in dem würzigen Sud schwenken...

Schlangen-SchnapsSehr häufig wird auch davon gesprochen, dass die Speisen möglichst 'natürlich' und unbearbeitet sein sollten. Ein langes Weich-kochen von Gemüse etwa wird man in der chinesischen Küche kaum finden. Außerdem einfach und fleischlos statt reichlich und fett. Auf geflügelte Worte, wie das folgende, stößt man im Alltag demnach auch immer wieder: 白菜豆腐保平安 (báicài dòufu bǎo píng'ān). Chinakohl und Tofu dürfen es demnach öfters einmal sein. Zusätzlich solle man viel Tee und Wasser trinken – alles im Idealfall natürlich immer warm. In jedem Unternehmen, in jedem Restaurant und in jeder Straßenklitsche, in den Universitäten und überall sonst ist sicher gestellt, dass die Arbeiter, Bediensteten oder Gäste mit warmen Wasser versorgt sind. Sei es nun einer der modernen Wasserspender mit Heizdraht oder eine der altmodischeren riesiger 5 Liter Thermoskannen mit Korkstöpsel. Auch im Restaurant bekommt man, wenn man Wasser bestellt oder manchmal auch ungefragt, warmes Wasser gereicht.

thermosflascheWarmes Essen und Getränke würde (besonders im Winter) den Körper von innen wärmen und die Organe in ihrer Funktion unterstützen. Außerdem ist warmes Wasser für viele Chinesen ein Hausmittel, das bei allen möglichen Beschwerden heran gezogen wird. 多喝热水 (duō hē rè shuǐ) 'Mehr heißes Wasser trinken' ist daher ein oft gegebener Ratschlag.
Warm, möglichst naturbelassen und leicht verdaulich ist dann meistens auch das chinesische Frühstück. Während bei uns Brot und Brötchen, Marmelade oder (für Chinesen oft völlig unverständlich) kalte Milch mit Müsli auf den Tisch kommen, holt man sich hier in einer der Straßenklitschen eine warme Sojamilch, etwas Reis- oder Hirsebrei oder den Klassiker 八宝粥 (Acht-Schätze-Brei). Daneben gibt es Mántóu 馒头 (ähnlich wie ungefüllte Hefeklöße), Jiānbing 煎饼 (eine Art Pfannenkuchen, der auf einer heißen Metallplatte frisch zubereitet wird) oder die allseits beliebten Jiǎozi饺子 nebst etwas eingelegtem Gemüse.


HuoGuo2Lang sind dann auch die Schlangen, die man kurz vor Unterrichtsbeginn an zwei der Tresen in der SportUni-Mensa zu sehen bekommt: an der 'Wasser-Bar' 水吧 werden die gedämpften Bāozi und gekochten Jiǎozi im Akkord in kleine Plastiktütchen zum Mitnehmen gefüllt während am benachbarten Dòujiāngfáng 豆浆房 (Bohnen-Brei-Häuschen) die vier großen Mixer heiß laufen, um aus roten 红豆 und schwarzen 黑豆 Bohnen, gelben Sojabohnen黄豆, grünen Erbsen 绿豆, Mais 玉米 oder Erdnüssen 花生 (alles natürlich vorgekocht), heißem Wasser und etwas Zucker das nahrhafte Getränk der Wahl zu bereiten...

Was die Ernährungsgewohnheiten betrifft, so solle man nicht zu spät Abendessen – dies belaste den Magen und führe zu schlechtem Schlaf. Entsprechend bekommt man nach 18:30 auch nur noch Auswärts etwas zu essen. Die Uni-Mensa hat längst Feierabend. Wer aus Ländern wie Italien oder Spanien kommt, wird sich hier sehr bald um gewöhnen müssen. Ein weiterer Ratschlag, den wir ganz ähnlich auch aus dem Deutschen kennen, ist der folgende: „早上吃饱,中午吃好,晚上吃少 (Zǎoshang chī bǎo, zhōngwǔ chī hǎo, wǎnshàng chī shǎo (Morgens satt essen, Mittags gut und vielfältig, Abends dafür weniger.) Oder zu gut Deutsch: 'Morgens wie ein Kaiser, Mittags wie ein König und Abends wie ein Bettler'. So wie mit allem Anderen, sollte man es aber auch beim Essen mengenmäßig nicht übertreiben. 吃八分包 (chī bā fēn bāo) – nur 80% solle man sich satt essen. Im Alter noch rank und schlank zu sein, dass sei so wertvoll, dass man es selbst mit einem ganzen Haufen Gold nicht kaufen könne: 千金难买老来瘦 (qiānjīn nán mǎi lǎo lái shòu). Aber wo manche Chinesen dann ihre riesigen Suppenschüsseln voller Nudeln hin essen, die in Deutschland für eine ganze Familie gereicht hätten, das weiß ich bis heute nicht.

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