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Jun
07

Für Alle und Jedermann: alltägliche Gesundheitspflege aus dem Reich der Mitte

 einige weitere zentrale gedankliche Konzepte

和谐 héxié – das Prinzip der Harmonie

NeijingTuDie Harmonie aller Dinge scheint ein zentrales und allumfassendes Konzept im chinesischen Denkens darzustellen, welches auch die Gesundheitsvorstellungen selbst dominiert. Harmonie müsse sowohl zwischen Körper und Geist bestehen („Wen ich Gesundheit als europäischen Begriff für Standard nehme... Gesundheit heißt nur, der Körper – dann Harmonie ist im Sinne der Chinesen... der Körper und die Seele haben eine Harmonie.") – aber auch zwischen Individuum und Gesellschaft, oder dem Menschen (als Mikrokosmos) und der Natur (dem Makrokosmos). Die letzten beiden Punkten lassen außerdem den tief greifenden Einfluss des Konfuzianismus (gesellschaftliche Harmonie) und des Daoismus (den Naturgesetzlichkeiten folgen) erkennen, welche auch heute noch alle Lebensbereiche des chin. Alltages durchdringen.
Von vielen Chinesen wird jedoch auch die 'innerliche' Harmonie hervorgehoben, die etwa mit guter Laune, allgemeiner Zufriedenheit oder einer positiven Grundeinstellung einher geht. Sie sei am besten durch körperliche und geistige Entspannung zu erreichen. Taijiquan, Qigong, aber auch Yoga und ähnliche Praktiken seien hierfür gut geeignet, so die Meinung der meisten Befragten. „Das macht man nicht nur für den Körper... also das hilft auch dem Kopf"
Vereinzelt wird sich von den Befragten auch immer wieder auf die Argumentation der chinesischen Medizin bezogen, wonach ein harmonisches Verhältnis der fünf Elemente selbst ebenso wichtig ist. Und zwar sowohl auf der substantiellen als auch auf der funktionellen Ebene. Ein mindestens ebenso interessanter Aspekt: auch innerhalb des Vornamens müsse dieses harmonische Verhältnis – passend zum jeweiligen Menschen – vorhanden sein4. Bei relativem Mangel oder Überfluss eines der fünf Elemente könne eine Änderung des Namens einen Ausgleich bewirken. Sind alle fünf Elemente ausgeglichen und in Harmonie, würde dies ganz automatisch zu Gesundheit und Glück im Alltag führen. Nicht selten zerbrechen sich deswegen ganze Generationen monatelang den Kopf darüber, wie der Nachwuchs denn schließlich heißen soll. Guter Klang ist in China eben bei weitem nicht Alles.

中庸 zhōngyōng – das Prinzip der goldenen MitteZhongyongZhidao

Aber wie lässt sich die beschriebene Harmonie – ebenso wie das so oft genannte rechte Verhältnis von Yin und Yang5 denn nun am besten erreichen? Das rechte Maß bei Allem soll es sein. Egal was man auch tut. Von nichts zu wenig – mit nichts übertreiben („... beim Sport und Gedanken nicht zu intensiv"). Dies impliziert ebenso das Vermeiden von Unterforderung, denn auch dies ist auf Dauer ein Extrem („...immer die rechte Zahl finden"). Regelmäßig körperliche und geistige Aktivität wird demnach von vielen der Befragten als Grundvoraussetzung für Gesundheit betrachtet - besonders im Alter. Aber auch in anderen Lebensbereichen findet dieses Prinzip seine Anwendung, wie weiter unten noch gezeigt werden soll.

平衡 pínghéng – Gleichgewicht bzw. das richtige Verhältnis von Yin und Yang

Gedanklich in engem Zusammenhang zur Harmonie steht das bereits gennante Gleichgewicht bzw. je richtige Verhältnis der zwei zentralen Charakteristika Yin und Yang. Alle Gegenstände, Phänomene und Situationen besäßen sowohl Yin- als auch Yang-Qualitäten – jedoch in einem je unterschiedlichem und spezifischen Verhältnis. Der Mensch selber habe jedoch eine Sonderstellung. Bei ihm müssten beide Teile in einem relativen Gleichgewicht vorliegen. Dies sei die 'normale Ausgangslage des Menschen' und impliziere Gesundheit als Normalzustand. Auch hier gibt es eine Parallele zur chinesischen Philosophie: sie sieht den Menschen selbst als Mittler der beiden Extreme von Yang (Himmel) und Yin (Erde) zwischen denen er sich befindet. Dieses Konzept des 天地人 (tiān dì rén) findet mit 'tenchijin' im japanischen Kulturkreis seine exakte Entsprechung.
Besonders auf die Vermeidung eines Ungleichgewichts zugunsten von Yang wurde von allen Teilnehmern in der ein oder anderen Weise betont. Ein relativer oder absoluter Überfluss von Yang würde früher oder später immer zu 上火 (shànghuǒ) führen...

上火 shànghuǒ

Ein Konzept, unter dem man sich als Westler meist rein gar nichts vorstellen kann. Im chinesischen Kulturkreis hingegen ist es weit verbreitet. Dabei bezieht es gleichzeitig die funktionelle als auch die körperliche und psychisch-emotionale Dimension ein. Shànghuǒ wird eher als eine Art 'funktionale Störung' auf einer oder mehrerer der genannten Ebenen gesehen. Und so wird es nicht selten in einem Atemzug mit dem Begriff yajiankang verwendet.
Rein körperlich betrachtet zeigt sich Shànghuǒ z.B. in einem beeinträchtigten Empfinden oder Unwohlsein, verbunden mit trockenem Mund und Hals, trockener Haut, vermehrter Pickelbildung und einer Neigung zu Mundgeruch. Auf der 'funktionellen' Ebene sei es zu viel 'innerliches Feuer' oder 'innerliche Hitze', was aber nichts mit Fieber zu tun hat („...ich fühle mich ganz heiß und nicht so gut.") Psychisch-emotional zeigt sich shànghuǒ6 hingegen anhand leichter Reizbarkeit. Denken wir an den Choleriker, dem das Blut sprichwörtlich in den (feuer-)roten Kopf gestiegen ist. Ein solcher Zustand intensiver negativer Emotionen könne den Aussagen zu Folgen auf Dauer auch die Leber in Mitleidenschaft ziehen. Aus Sicht der chinesischen Medizin können Funktionsstörungen des Leber-Funktionskreises, unabhängig von deren Ursache7, wiederum auch zu körperlichen Shànghuǒ-Phänomenen führen.

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