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Mär
11

Beijing - Tag Zwei(einhalb)

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Auch am Sonntag ging's wieder recht zeitig raus. Schließlich wollte noch so einiges entdeckt werden, bevor ich tags drauf die Stadt Richtung Chenjiagou verlasse... Spätestens halb sieben war der Chinese oben im Doppelstockbett dann ebenfalls wach – so wie das Bett mal wieder wackelte. Frage mich, ob der da oben tatsächlich seinen Frühsport gemacht, Kungfu trainiert hat oder schon wieder aus einem schlechten Traum aufwacht ist :)

...Statt mich wie die meisten Deutschen gleich schon wieder faul an den Frühstückstisch zu setzen (viele Chinesen drehen vor dem Frühstück erst mal ne kleine Runde um den Block oder machen ein paar Übungen... hab ich mir seit dem letzten Mal China auch schon angewöhnt), gings gleich auf zur nächsten U-Bahn Station und von da weg ein paar Haltestellen weiter Richtung Süden zum Zizhuyuan Park. Selbst viertel 8 hatte ich schon beinahe Schiss, vielleicht das Beste zu verpassen. Viele ältere Leute nutzen die Morgenstunden ausgiebig für Ihre Übungen im Park, um dann im Anschluss dort, oder nach ihrer Rückkehr zu hause zu frühstücken. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in den Parks nicht nur Imbiss-Stände sondern richtige kleine 'Kantinen', wo die Chinesen gut und sehr preiswert ein pekinger Standard-Frühstück bekommen.

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Das besteht z.B. aus frittierten Teigstangen, Reis- oder Hirsesuppe, evlt. etwas Sojamilch und natürlich Baozi (eine Art gefüllte Teigtasche) nebst dem obligatorischen eingelegten Gemüse als geschmackliche Bereicherung...

Vorher musste ich den Park aber erstmal erreichen. Selbst um diese Zeit kam ich mir in der U-Bahn Station vor, wie zur Hauptverkehrszeit unter der Woche. In Deutschland siehst du doch zum Sonntag Morgen fast kein Schwein auf der Straße. Wo wollen also die ganzen Chinesen nur alle hin um diese Uhrzeit, fragt man sich da als Europäer irgendwann. Keine Ahnung. Aber wie gesagt: in China beginnt der Tag erfahrungsgemäß weitaus zeitiger als in Europa... oder gar erst in Spanien, wo man gegen halb 11 erst mal Frühstück macht. Da gibt es bei uns hier aufm Dorf (wo ich diese Zeilen gerade rückblickend anhand meiner paar Erinnerungs-Stichpunkte schreibe, um sie beim nächsten Stadtgang dann upzuloaden) schon fast wieder Mittagessen ;)

Nachdem ich also wieder am Tageslicht war, hab ich einfach den nächst besten Shushu (auf chin. 'Onkelchen') nach dem Weg in Richtung Park gefragt. Der meinte so „ach da kannste gleich mitkommen – ich geh' da sowieso hin.“ Gesagt, getan. Keine drei Minuten und einen kleinen Plausch später waren wir dann auch schon da. Während Shushu sich verabschiedete und zielstrebig - scheinbar sehr routiniert - in den Park steuerte, musste ich erstmal die Kamera raus holen, um ein typischen Stück chinesischer Kultur aufzunehmen. Kalligraphie. Gemalt wurde direkt vor dem großen Parktor, aber auch andernorts – jedoch nicht etwa mit Tinte auf Papier sondern mit einem riesigen Pinsel und einem Eimer Wasser auf den Gehweg. Alles unter den strengen Augen der Ordnungshüter, die am Eingang des Parks postiert waren.

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Irgendwie findet man die so ziemlich überall und an jeder Ecke. Und zwar gleich rudelweise. Ich habe da so ne Theorie, dass die 'Wehrdienstleistenden' in und um Peking statt zur Armee u.a. einfach zur Polizei geschickt werden. Und die findet man im Zentrum wirklich immer und überall...ohne dass sich die Chinesen aber groß drum scheren würden, was etwa das Überqueren von roten Ampeln etc. betrifft. Daneben gibt’s dann auch noch die unzähligen 'Freiwilligen' mit ihren roten Armbinden, die das Ganze Uniform-Braun-Grün etwas auflockern. Ob das Teil von irgendwelchen krassen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ist, oder wie das jetzt genau zusammen hängt, muss ich erst noch heraus finden ;) Etwas Gutes hat das Ganze allerdings: wenn man mal nicht weiter weiß; Rat und Hilfe braucht, kann man jederzeit einen der Uniformträger Löcher in der Bauch fragen... Das haben übrigens auch die Chinesen hier recht ausgiebig genutzt.

So nun aber wieder zurück zu unserem Park: wie schon gesagt, in den Parks hier geht’s zu wie bei uns auf'm Volksfest. Nur die Aktivitäten fallen etwas anders aus: Tanzen, Schwatzen, gemeinsam Singen, Gesundheitsübungen, Gymnastik, Taijiquan und tausend andere Sachen.

chin. Minderheit bei einem traditionellen Tanz

Keine zehn Minuten hat's gedauert, da bin ich schon auf die erste größere Gruppe Taiji-Übender gestoßen, von der ich die nächsten zwei Stunden gar nicht mehr weg kam. Ich kann's nur immer wieder betonen: das Taiji, was wir in Europa kennen, ist nur ein Abklatsch der Kampfkunst, die es einmal war – oder bei einigen wenigen Meistern immer noch ist. Wer Chen Taiji lernt, kommt um das Training mit Schwert, Säbel, Stock, Speer und Hellbarde - wenn er es ernsthaft betreibt - nicht drum rum. Von Tuishou (pushhands) und Shuaijiao ganz zu schweigen. Irgendwann kommt sicher auch mal noch ein Text zu diesem Thema :)

Nachdem ich mit so ziemlich jedem ein wenig geschwatzt, mir anschließend in der Kantine um die Ecke erstmal ein kleines Frühstückchen genehmigt hatte um darauf nochmal ne gute Stunde Tuishou mit ihnen zu üben, konnte ich mich dann doch noch von der Gruppe lösen, um noch den Rest des Parks zu erkunden... Dass ich als Langnase nicht in Ruhe essen konnte, sondern – kaum dass ich mich hingesetzt hatte – auch schon ne Traube neugieriger Chinesen um mich rum stand, brauch ich bestimmt nicht schon wieder erwähnen ;) So ne typische kleine Kantine ist ja nicht gerade der Ort, wo man europäische Gäste erwartet... Als ich da so in der Schlange stehe und mein Frühstückchen bei der etwas überbeanspruchten Chinesin bestelle, die sowohl ausgeben als auch kassieren muss, hält sie die Hand auf und ist mit ihrer etwas genervten Frage 要吃什么? (Yào chī shénme?) schon beim Nächsten hinter mir. Erst geschätzte 0,85 Sekunden später reist es ihr den Kopf rum. „Wah?!? Nen Ausländer? Ey der spricht Chinesisch.“ Na sowas. Die Aussprache ist inzwischen scheinbar ganz ok – sonst hätte die sicher schon eher geschnitten, dass da ne Langnase bei ihr bestellt...

In dem kleinen Grüppchen draußen vor der Kantine gab es auch einen 68 jährigen Chinesen, der mindestens zehn Jahre jünger aussah und – wenn auch langsam –wirklich sehr gutes englisch gesprochen hat. Hat er sich selber beigebracht erzählt er mir bescheiden. Genauso wie die Schwertform, die gar nicht so schlecht ausschaut für sein fortgeschrittenes Alter. Wenn ich manchmal die älteren Chinesen mit 50, 60, 70 oder gar über 80 in den Parks ihre Übungen machen sehe und dann vergleiche, welche Leute man in deutschen Parks antrifft – bzw. was in Deutschland und andernorts die Leute in diesem Alter machen... Also zumindest in dieser Hinsicht können wir noch einiges von den Chinesen lernen.

... Trainingsutensilien der Taiji-Übenden

Auch im Tiantan Park (wörtlich Himmels-Turm-Park) ging es hoch her. Stichwort Kirmes ;)

Ganz besonders zum Wochenende treffen sich hier Chinesen jedes Alters, um zusammen Jianzi zu spielen (wird ähnlich gespielt wie Haggisack), Karten oder Majiang zu zocken. Taiji, Tanzen, gemeinsames Singen etc. sind natürlich auch mit von der Partie. Schade, dass es sowas bei uns nicht gibt. Das ist wohl tatsächlich ein typisches Stück chinesischer Kultur und Lebensart.

Einheimische beim Karten + Majiong zocken 

Später am Nachmittag habe ich mich dann noch mit einem 'chinese local' getroffen. Webseiten wie Hospitalityclub oder Couchsurfing kann ich in dieser Hinsicht wirklich nur empfehlen. Man erhält 'cultural insights' die man sonst nie haben würde. Wie sie sagt, wohnt sie selbst in einem der Beijinger Hutongs (traditionelle kleine eingeschossige Stadtviertel mit sehr verwinkelten engen Gassen) auf ein paar Quadratmeter. Ich glaube, das könnte sich sogar unser IKEA noch ne Scheibe in Sachen Wohnraumoptimierung abschneiden. Wohnraum ist in Beijing rar... und zunehmend teuer. Und so weichen die alten Hutongs mehr und mehr wolkenkratzer-ähnlichen Einkaufszentren oder Geschäfts- und Wohnhochhäusern. Die wirtschaftliche Entwicklung macht vor dem Kulturerbe oder z.B. auch der Umwelt keinen Halt. Aber dazu ein anderen Mal mehr...

Als Hutong-Bewohner schlägt sie also einen Gang fernab vom üblichen Touristenrummel durch eines dieser Viertel vor. Wir treffen uns am Lamatempel. Allein das dauert schon fast ne halbe Stunde, weil es dort 5 Ausgänge von der U-Bahn und soooviele Touristen gibt, dass es nicht gerade einfach ist, sich an einem dieser Ausgänge auch zu finden. Bereits auf dem Weg zur nächsten Hutong halten wir immer wieder an, um an einem der vielen kleinen Stände den ein oder anderen Happen zu naschen. Zu lecker sieht das alles aus – zu fremd, als dass ich nicht alles einmal kosten will ;)

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Mein Magen liebt China! Unsere Hygienegesetze haben zwar auch ihr gutes – aber diese kleinen Verkaufsstände, wie man sie vielerorts noch in den Entwicklungsländern ('developing' nicht 'undeveloped countries') findet, sind für viele Einheimischen, die keine richtige Küche haben (Stichwort Platzmangel) oder für die das Essen im Restaurant viel zu teuer wäre, unersetzlich. Und sie prägen das Bild der Straße und machen einen Gang durch diese kleinen Seitengassen – besonders Abends – doch erst so richtig interessant. Und vor allem köstlich ;)) Hab ich schon erwähnt, dass ich mich von früh bis Abend mit chin. Essen voll stopfen könnte? Ach ja, hab ich ;)

Irgendwie hab ich nicht auf die Uhr gesehen – und schon war's kurz nach 6. Ich hatte mich mit einem alten Bekannten vom letzten Mal verabredet. Wir wollten noch auf ein Bierchen und einen Schnapphappen gehen raus auf die Straße. Äh...wo ging's gleich nochmal zur nächsten U-Bahn Station? Nach der leider etwas unentspannten Verabschiedung von Manling war ich erstmal wieder ne geschlagene Stunde per U-Bahn und zu Fuß unterwegs, um zu dem Kreuzchen zu gelangen, das auf meinem Stadtplan doch eigentlich 'direkt nebenan' war. Tja so kann man sich bei den Entfernungen täuschen...

Ich + Manling vor dem Glockenturm in BeijingAngekommen im Studentenwohnheim war erstmal hastiges Sachen-Packen angesagt. Hoffentlich nix vergessen - und los gings. War irgendwie sowieso grade keiner da, vom dem man sich hätte verabschieden können. Alle ausgeflogen. Musste ich dann wohl per Telefon nachholen...

 

Eigentlich wollte ich mich schon viertel nach 8 mit Elmer treffen. Da ich den nächsten Tag wieder in Richtung Flughafen musste, bot es sich an, nach dem Bierchen gleich wieder bei ihm zu nächtigen. Nach einer weiteren Stunde mit der U-Bahn von Xizhemen (Peking-Zentrum West) nach Dongzhemen (Dong = Ost) bekomm' ich dann keine zwei Haltestellen vor dem Ziel ne SMS, das der gute Kollege' vielleicht Besuch über Nacht' haben könnte und wir das besser auf'n andern Mal verschieben sollten. Na danke man.
Aber was solls dachte ich mir – wenn ich in Lateinamerika um 9 manchmal noch nicht wusste, wo ich um 10 schlafen sollte und notfalls einfach die Hängematte irgendwo aufgespannt habe, wird das doch auf ne andere Art und Weise sicher auch in China klappen. Sonst wär's doch zu langweilig :)

Bei Dongzhemen ging's also raus aus der U-Bahn. Irgendwie war es inzwischen schon halb 10 und fast kein Schwein mehr in der Metro. Wie gesagt – der Tag beginnt eher und endet auch früher. Wieder zurück an der Oberfläche kam auch schon ein älterer Polizist mit langem Armee-Mantel auf mich zu. Er fragte, ob ich denn Hilfe bräuchte mit all dem Gepäck. Woher wusste der denn, ob ich ihn überhaupt verstehe? Wie sich heraus stellte, war er aus Zhengzhou. Genau da wollte ich ja tags drauf hin und von dort weg dann weiter nach Wenxian und Chenjiagou. Wenn du in China in der gleichen Uni studiert hast, den gleichen Arbeitgeber hast oder aus der gleichen Stadt kommst, verbindet das. Ich komme zwar nicht unbedingt aus Zhengzhou, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich deswegen trotzdem – zumindest nen kleinen Stein - bei ihm im Brett hatte. Henan-Akzent spreche ich ja durch das letzte Mal China ohnehin ;)

Ich sag ihm also, dass ich grade versetzt worden bin und eigentlich nur nen Bett bis zum nächsten Morgen brauche. Er nimmt eine meiner beiden großen Taschen und dann biegen wir auch schon um die nächste Ecke in eine kaum beleuchtete Seitengasse hinter dem U-Bahn Gebäude. Die Gasse wurde nur von 1-2 schwachen Stromsparlampen beleuchtet. Lass es 30 Watt gewesen sein. Da war mir schon ein wenig mulmig zumute und ich fragte ihn, wo er denn hin wolle und warum ausgerechnet so ne kleine Seitengasse. Da grinste er und meinte „Mach dir mal keine Sorgen“ und zeigte auf das Abzeichen an seinem Ärmel. „Siehste nicht? Ich bin von der Beijinger Polizei. Alles in Ordnung.“ Nach zwei weiteren Abbiegungen kamen wir dann in einen kleinen Innenhof mit so einer Art 'Hotel'. Sollte trotzdem knapp 200 Yuan kosten. Ich bin zwar Ausländer aber günstig fand ich das trotzdem nicht unbedingt. Wie sich heraus stellen sollte, hab ich am Ende nach knapp 2 Stunden nerviger Hotelsuche knapp das Doppelte berappen müssen...

Wir sind also zurück zum Bahnsteig, um dort ein 'hei che' – eines dieser illegalen Taxis zu finden, um irgendwo in der Nähe des Flughafens vielleicht ein billiges kleines Hotel zu bekommen. Wie mir der Shifu (sprich der Taxifahrer) unterwegs erzählte, gibt es ein staatlich verordnetes Arbeitsverbot in den Abend- und Nachtstunden. Deswegen hab ich auch schon beim letzten China-Trip keine U-Bahn mehr in Richtung Flughafen bekommen. Also dran denken: wer Abends irgendwo hin muss, sollte sich nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlassen...

Hundert Kuai (100 Stück Geld) wollte er für die dreiviertel Stunde Fahrt hinaus zum Flughafen halben. Soweit so gut. Am Ende haben wir bestimmt 10 Hotels abgeklappert, von denen eines teurer war als das andere… Das hat mindestens nochmal genauso lang gedauert – und weitere 40 Kuai gekostet... Und glaubst du's oder nicht...am Ende bin ich doch tatsächlich wieder in genau in dem gleichen Schuppen gelandet, wo es mich beim letzten Mal China nach meinem verpassten Langstreckenflug gen Heimat hin verschlagen hat. Die Mädels in der Rezeption waren immer noch genauso gelangweilt und wenig zuvorkommend – aber wenigstens akzeptierten sie Ausländer. Unter den anderen etwas günstigeren Hotels gab es nämlich mindestens vier, die keine Ausländer nehmen wollten oder durften. So genau haben sie das nicht geäußert...

Am nächsten Morgen war ich schon zeitig wach. Draußen bläkten sich ein paar Angestellte immer wieder zusammenhanglose Satzfetzen zu. Wozu braucht man da noch Walky-Talky? Chinesen haben ne ordentliche Lautstärke, wenn sie sich unterhalten :) Meine erste Amtshandlung nach dem Duschen: erstmal ordentlich frühstücken. Das kleine 'Restaurant' direkt nebenan, wo ich das letzte Mal gegessen hatte, gab es nicht mehr. Bauruine. Dafür bin ich keine 800 weiter über die Kreuzung fündig geworden. Eine kleine Absteige, wo Angestellte und Bauarbeiter ihr erstes oder zweites Frühstückchen einnehmen. Auf dem Weg dort hin quatscht mich dann auch noch ein Chinese beim Überqueren der Straße an. Ich hab anfangs überhaupt nicht geschnitten, was er denn jetzt eigentlich von mir will... Nach gut 2 Sekunden hat mein Hirn dann endlich realisiert, dass der gute mich mit einem ziemlich verzogenen 'buon giorno' angequatscht, was er wohl irgendwo aufgeschnappt hatte. Noch bevor ich wieder richtig bei Verstand war, hat sich meine große Klappe schon selbstständig gemacht und drauf los geplappert 'scusa, manon parlo tanto italiano.' Wusste gar nicht, dass ich überhaupt noch italienisch kann – aber irgend ein kleines Stückchen Hirnrinde hat sich dann wohl doch noch erinnert. Nunja wie dem auch sei...der Chinese wusste nix drauf zu antworten, weil es wahrscheinlich das einzige war, was er mal gehört hat. Drum watschelte ich – noch etwas verschlafen – weiter in Richtung Kantine. Ich hatte Hunger. Immer noch.

Dort angekommen, versuch' ich so zu tun, als wär' nix und reih' mich einfach in die Schlange ein. Ich bestell' mir eine dieser frittierten Teigstangen (Youtiao), einen Bambuskorb mit 5 Baozi (gefüllte Teigtaschen – so ähnlich wie Hefeklöse) und eine Schüssel warme Sojamilch. Zhou (Suppe bzw. Breichen) war leider schon aus. Wenigstens saßen mir diesmal nicht wieder 5 neugierige Chinesen fast aufm Schoß. Wenn man genauso schlürft und schmatzt wie die das machen, wird man schon nur noch halb so neugierig angesehen ;) Solange man nicht grad wie ein Pauschaltourist oder europäischer Geschäftsmann aussieht. Waren alles einfache Leute dort.

Kurz vor 11 gings dann in einem Minibus, der höchstens nen Meter und paar zerquetschte breit war, in Richtung Flughafen. Mit nur einer Stunde Verspätung kam dann auch schon der Flieger der Air China (auf chinesisch 中国国际航空公司 Zhōngguó Guójì Hángkōng Gōngsī – oder kurz GuóHáng) und es hieß boarding.

in China trinkt man gerne warmes Wasser... auch aufm Flughafen

In Zhengzhou gings dann weiter mit dem Bus bis zum zentralen Banhof und von dort weiter mit dem Taxi durch die halbe Stadt – und letzteres bloß (was ich auch erst im nach hinein richtig gecheckt habe), weil der Taxifahrer nicht richtig geschnitten hatte, zu welchem Busbahnhof ich eigentlich wollte. Nachdem wir also über ne halbe Stunde um das Stadtzentrum herum gegurkt waren, bin ich schließlich am falschen Bus-Bahnhof raus gekommen. Der nächste Chinese, den ich um Rat fragte meinte so: „da musste zurück zum anderen Busbahnhof – gleich neben der Hauptbahnhof.“ Scheisse. Sag ich doch. Blöder Taxifahrer. F**ck! Es musste doch auch von dort aus irgend ne Möglichkeit geben, nach Wenxian zu kommen. Nochmal durch die ganze Stadt zurück – darauf hatte ich echt keinen Bock mehr...

Jetzt war nachdenken angesagt... und dafür brauchte mein Hirn erstmal Energie. Da mein Magen sowieso schon knurrte, genehmigte ich mir also einen Shaobing. So ne Art Minifladenbrot mit Füllung. Und während ich da so stand, mampfte und mich bei dem Shifu (dem Verkäufer also) über den verpeilten Taxifahrer oder mein schlechtes Chinesisch oder eben beides aufrege, kommen wir so ins Gespräch. Das übliche eben. Woher kommste? Amerikaner, stimmts? Und was machste hier so? Willst bestimmt nach Shaolin oder? Wie viele Jahre lebste denn schon in China? Biste verheiratet? Ne? Kannst dir ja ne hübsche Chinesin suchen. Und und und...

Naja irgendwann kommen wir dann auch wieder auf mein kleines Problemchen zurück. Aber so funktioniert es in China mit nicht wenigen Dingen. Erst einmal bisschen beschnuppern, Beziehungspflege betreiben (vor einem Geschäft ist das obligatorische Essen in einem Restaurant oder der Gang ins Teehaus angesagt – oder beides. Und bei größeren Geschäften oder Gefälligkeiten evtl. auch mehrmals) und erst dann kommt man zum wesentlichen. In China läuft eben alles weniger direkt und geradlinig, als wir das in Europa gewöhnt sind.

Jedenfalls habe ich dem guten Mann nochmal ausklamüsert, wie ich denn eigentlich wo genau hin zu kommen gedacht habe, dass die nette Dame hinter der Plexiglas-Scheibe mein Vorhaben soeben als 'mei you' (geht nich, gibt’s nich, haben wir nicht, kein Bock, komm später nochmal, ich kann dich nicht leiden und alles was sonst noch in die Richtung geht) deklariert hat. Es ist fast schon ein Phänomen in China: alles was mit Tresen, Schalter oder im weitesten Sinne mit Kundenservice zu tun hat, ist chronisch gelangweilt und meist bei schlechter Laune. Vielleicht liegt das an der ebenso schlechten Bezahlung? Wie wir beide uns da so unterhalten, wird die Traube an Neugierigen Chinesen immer größer. Ein fluchender Ausländer. Pardon – ein auf chinesisch fluchender Ausländer, der in seiner Situation auch noch blöde Witze reist. Jedes Handy-Foto 5 Kuai bitte! Oh man... ich glaub in China könnt ich mir damit nen gutes Taschengeld verdienen ;))

A propos 'Unterhaltung'... was bei den Chinesen normale Konversation ist, wirkt auf Ausländer möglicherweise wie eine mittlere Meinungsverschiedenheit mit Beschimpfungen und und Allem was dazu gehört. Chinesisch ist…eben anders. Vielleicht mach ich mal nen kleines Video von unserem Koch. Der neckt mich die ganze Zeit, ob er mir nicht mal ne nette Chinesin zum heiraten vorstellen soll – aber in ner Lautstärke erzählt der immer... da fliegen einem fast die Ohren weg :)

Nu aber zurück zu Plan B: Nach dem zweiten Shaobing bei meinem Shifu und dem dritten Anlauf am Schalter (mit der Hilfe eines seiner Bekannten – auch nen Taxifahrer) gab es dann plötzlich doch nen Bus. Keine 20 Minuten später holperte das olle Vehikel dann auch schon aus der Stadt hinaus aufs Land. Biste erstmal in Wenxian, ist es nur noch nen Katzensprung nach Chenjiagou dachte ich mir... Nur zu blöd, dass ich ne Stunde später im Gespräch mit meiner Hintermann plötzlich erfahre, das der Bus nicht nach Wenxian sonders nach Mengzhou fährt. HÄÄÄHH? Aber aber... da stand doch sogar Wenxian vorne dran?!? „Jaja mag sein“ sagte er, „aber heute fährt der nach Mengzhou.“ Achso... na klar. Ich Dummchen aber auch. SIND DENN HIER ALLES VOLLIG BEKLOPPT ODER WAS??? Alter Falter. Ruhig bleiben!
Und über Plan C nachdenken...

Gott sei Dank, dass ich mir bereits ne Mobilfunkkarte gekauft hatte und die Nummer der Schule – wenn nicht aufm Zettel dann doch wenigstens irgendwo auf meinem Rechner hatte. Der olle Akku hat's gerade noch hergegeben, den Schlepptop zu starten und das Dok mit den ganzen Nummern raus zu suchen. Zehn Minuten und zwei Anrufe später hatte ich zumindest so ne wage Ahnung, dass ich gerade mit dem Sohn des Shifu ein meetup irgendwo auf der Strecke Richtung Mengzhou vereinbart hatte. Er kommt mit dem Auto und will mich an einer größeren Tanke auflesen, meinte er. Der Busfahrer wisse schon, wo er halten muss... Na drücken wir mal die Daumen, dachte ich mir so.

Keine halbe Stunde später hält der Bus tatsächlich unvermittelt an einer Tanke. Vier Leute kommen auf den Bus zu gelaufen. Vielleicht haben die einfach den Finger raus gehalten und wollen mitfahren. In der Dunkelheit erkennt man die Gesichter schlecht. Doch als ich aussteige, bin ich erleichtert. Es ist Zhiwei, der Sohn des Shifus samt Frau, seiner Schwester, Mutter und noch zwei kleinen Babies. Nach einer kurzen freudigen Begrüßung rückten wir also zu 5 (bzw. zu 7) in dem alten Mitschubschi zusammen.

Statt wie geplant um 5 ist es dann doch drei Stunden später geworden, aber ich war happy, wieder zurück zu sein. Alles wie immer: der Geruch von verbranntem Mais, Müll am Straßenrand, die staubige trockene Luft. Mehrfach kamen uns die nur allzu vertrauten Schaafsherden im Dunkeln entgegen. Und selbst der alte Koch war noch der gleiche. Er begrüßte mich mit einem breiten Grinsen und einem seiner Scherze. Er kannte mich also noch...

... unser Koch - noch ganz schön fit für sein Alter ;)

Nach dem Abendessen noch ein kleiner Schwatz mit dem Shifu, seinem Sohn und 2-3 Schülern – dann lag ich breit im Bett. Ich hatte noch nen Rest-jetlag zu überwinden und den nächsten Tag war um 6 Uhr aufstehen angesagt. Statt Frühstück gibt’s hier erstmal Morgentraining.

Wie so ein Tag hier an unserer kleinen Schule in Chenjiagou aussieht, erzähl ich euch aber mal in einem der nächsten Beiträge. Bis dahin sag ich - 再见 und bis zum nächsten Mal.

 

 

 

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