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Mär
10

Beijing Nihao

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So ganz war mein Hirn dann doch noch nicht im Rhythmus, als ich bereits um 2 Uhr nachts putzmunter war und erst mal ne Runde um den Block rennen wollte... Gut, ich hab's dann doch nicht gemacht ;) Stattdessen hab ich es irgendwie geschafft, nochmal einzuschlafen, bevor ich dann gegen 7 Uhr aus meinem Doppelstockbett purzelte... Der Chinese über mir hatte da wohl schon ne gute Viertelstunde lang seine Morgengymnastik gemacht, so wie das Ding wackelte...

Mein erstes chinesisches Frühstückchen gab's gleich um die Ecke des Studentenwohnheims, in dem ich untergekommen war. Youtiao - das ist so ne Art frittierte Teigstange – und Baozi, eine Art gefüllte Hefeklöße. Dazu Zhou - ein warmes Süppchen am Morgen vertreibt Hunger und Sorgen ;)

 

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Und natürlich saßen dann gleich erstmal drei neugierige Chinesen an meinem Tisch, obwohl sonst rund herum alles noch frei war... Klar wollten sie wissen, ob ich denn hier an die Uni gehe oder wo ich Chinesisch gelernt habe, woher ich komme und was ich hier so mache, ob mir das chinesische Essen schmeckt (natürlich tut es das) und und und... Naja, ich bin‘s ja gewohnt – vom letzten Mal! :)

Anschließend hab ich mich aufgemacht, um erstmal irgendwo ein Fahrrad aufzutreiben... ähnlich wie in Leipzig kommt man auch in Beijing mit dem Zweirad oft besser zurecht und fast schneller ans Ziel, als mit dem Auto oder der U-Bahn. Zumindest ist es voll praktisch – und hat nicht mal zwei Euro für den ganzen Tag gekostet. Das war aber nicht etwa ein Laden oder eine Fahrrad-Mietstation, wie man das vielleicht aus Europa kennt – sondern eine Art Schrottplatz für gebrauchte oder gefundene Drahtesel. Noch bevor ich überhaupt ein passendes Rad zwischen all den vor sich hin rostenden Vehikeln für mich gefunden hatte, kam schon die 'Straßenpolizei' mit der nächsten Fuhre weiterer Schrotträder und kippte sie einfach irgendwo an die Seite...

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Der Chinese, der den ganzen Laden schmeißt, wohnt in einem kleinen Container und repariert Tag für Tag alte Fahrräder, um die Dinger dann wieder irgendwo an den Mann zu bringen...

Allerdings wandelt sich China – zumindest in den Großstädten – langsam von der Fahrradnation zur Autonation. Als ich zwei Tage später einmal im Taxi saß, dachte ich mir so: „Mensch was für ein niedliches Auto da vorne...“, aber irgendwas war da anders verglichen mit den anderen.... Bevor ich drauf kam, gingen ein paar Sekunden ins Land: Das Ding war ALT. Ne gebrauchte, olle, kleine Kiste, wie sie bei uns in Deutschland überall rumfahren, weil sich die Leute diese großen Benzinschleudern nicht mehr leisten wollen – oder können... Finde so ein Bobbycar mal in Chinas Großstädten! Die Karren hier sind alle Neuwagen. Weil der große Aufschwung eben erst in den letzten Jahren stattgefunden hat und davor fast niemand ein Auto besaß. Heute werden in Beijing jeden Monat um die 20.000 Fahrzeuge zugelassen... Wenn das so weiter geht – na Prost Mahlzeit!

Nun ja, danach habe ich erstmal anderthalb Stunden damit zugebracht, eine Straßenkarte auf chinesisch und englisch zu finden – das ist dann nämlich der Nachteil, wenn man nicht die U-Bahn benutzt, mit der man sich einfach nur bis zur entsprechenden Station durchhangeln muss... fahren kann die ja von alleine...

Noch bevor ich überhaupt den Bücherladen gefunden hatte, der neben den Standardkarten auf chinesisch auch zweisprachige Ausgaben verkauft, hat mein Drahtesel schon schlapp gemacht. Ist doch einfach mal so die Pedale samt Kurbel abgefallen. Also Vollbremsung, absteigen, umkehren und Kurbel am Straßenrand suchen... Reparatur folgte prompt zwei Straßen weiter bei einem der unzähligen Mini-Alleskönner-Werkstätten. Kostenpunkt: 5 Yuan.

Hab ich schon erwähnt, dass man bei den meisten chinesischen Rädern ohnehin getrost mit der Fußsohle bremsen kann? Die Bremsen sind nämlich eher Attrappe als dass sie ihren eigentlichen Zweck erfüllen. Licht gibt’s erst gar keins. Viele von den Mopeds oder Trikes (san lun che = 3-Rad-Fahrzeug) haben ja schließlich auch keines – oder machen es erst gar nicht an... Also der Verkehr in China ist ganz schön chaotisch. Ampeln und andere Verkehrszeichen werden aus Prinzip von 90% der Bevölkerung ignoriert, die richtige Fahrbahnseite zu benutzen liegt in der Hand jedes Einzelnen und erscheint nicht sonderlich wichtig. Gefahren wird nach dem Reisverschlussprinzip – nur eben aus allen 4 Richtungen gleichzeitig und statt zu blinken oder zu bremsen wird eben laut und oft gehupt... aufpassen muss man da schon selbst! Kleiner Tipp für die nächste China-Reise: Beim Überqueren der Kreuzung versteckt man sich am besten hinter einem anderen Fußgänger, oder Radfahrer, den es zuerst erwischen würde - klingt gemein, ist aber unheimlich praktisch, denn die Chinesen wissen wohl am besten, wo und wann sie heil auf die andere Seite kommen... Sofern nicht gerade mitten auf der Kreuzung und auch noch zur Rush-Hour ein voll besetzter Reisebus sein vorwärts-rückwärts-und-nochmal-von-vorn-Wendemanöver vorführt... also da hab ich dann auch nicht schlecht gestaunt. Mindestens einmal hab ich mich dann sogar dabei ertappt, wie ich dachte: irgendwie ist mir der chin. Verkehr doch ganz sympathisch – erinnert mich irgendwie an mich ;)) Aber ganz so krass wie die Chinesen bin ich dann doch nicht!

Spätestens nach 2-3 Stunden war ich froh, dass ich sicherheitshalber doch noch die Thermo-Unterwäsche, die Handschuhe und meine Mütze eingepackt hatte. In Beijing waren es nämlich bei meiner Ankunft noch um die 5 Grad minus... Trotz super geilen Sonnenscheins, bei dem ich mir nach gut 10 Stunden an der frischen Luft meinen ersten kleinen Frühjahres-Sonnenbrand geholt habe :)

Zwischendurch gab's immer mal wieder den ein oder anderen Schnapphappen am Straßenrand... z.B. Dabing (so eine Art Fladenbrot vom heißen Ofenblech), Boluo (ne Viertel Ananas am Spieß), und im Anschluss noch Chajiangmian – die chin. (aber traditionelle) Variante von Spaghetti Bolognese (heißt übersetzt soviel wie frittierte-Soße-Nudeln).

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Etwas Obst als Nachtisch durfte natürlich auch nicht fehlen... Und bei der Gelegenheit habe ich das hier gefunden... Deutsches Bier scheint also auch im Ausland recht beliebt zu sein – und nicht gerade billig :)

Danach ging‘s dann auf zum zweiten Teil meiner Fahrradtour... Auf einem der Hügel im Jingshan-Park nördlich der verbotenen Stadt hätte es mich bald runter geweht – da ist man froh über jede extra Schicht Kleidung, die man drunter hat :) In Beijing kann es um diese Jahreszeit noch ganz schön eklig sein... Aber die Aussicht dort oben war echt atemberaubend!

Den restlichen Nachmittag habe ich dazu genutzt, noch 2 weitere Parks zu besuchen und das Treiben zu beobachten – ich kann's nur immer wieder sagen: da geht’s zu wie bei uns auf‘m Volksfest – und zwar jeden Tag. Nicht nur am Wochenende – und auch nicht erst nachmittags... Im tiantan gongyuan (Park des Himmelstempels) bin ich – nachdem ich alle Hauptattraktionen durch hatte - beim Herumstrolchen auf eine kleine Gruppe junger und älterer Chinesen gestoßen, die zusammen Taijiquan und Bajiquan übten. Also nix wie hin, um ein wenig mit den Leuten zu schwatzen... soweit es mir das Fachvokabular bereits erlaubte. Schließlich will man da nicht nur übers Wetter reden ;)

 

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Nach einer Weile haben sie mir ihren Shifu vorgestellt, der von einem Pärchen zum anderen wanderte und das ein oder andere erklärte... Selbst schien er recht überzeugt von sich zu sein und meinte so – „Kennste den Chen Zhenglei?“
„Ja kenn ich“
sag' ich. „Was is denn mit dem?“
„Na das ist doch voll der Scharlatan oder?... der kann nix.“
In China gebe es vier große Instanzen, meinte er spitz: Shaolin, Wudang, noch irgendwas, was ich bei seinem Dialekt erst gar nicht verstanden habe... und Nummer 4: ihn selbst. Hat er vielleicht auch ein wenig selbstironisch gemeint, denn eingebildet hat er auf mich nicht gewirkt. Was er da gezeigt hat – nämlich nicht nur tolle Formen, sondern auch mal ein wenig Praxis und Anwendung – hatte meiner Meinung nach schon Hand und Fuß...

Damit ich nicht noch das Abendessen verpasse, hab ich mich so gegen halb 6 langsam auf den Weg zurück gemacht...

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Eine Stunde von Zentrum Süd nach Zentrum West würde schon reichen....... dachte ich.... In Klammern denkste! Erstens war es ne ganze Ecke weiter, als es auf der Karte ausgesehen hatte und zweitens hab ich genau diese auch noch irgendwo liegen lassen, sodass ich ständig anhalten musste, um nach dem Weg zu fragen. Dann kam fast immer die Antwort: „Kenn ich nicht – da frag mal die alten Leute. Die kennen sich aus.“ Zu blöd nur, dass die alten Leute schon (fast) alle zu Hause waren, denn in China beginnt man den Tag wesentlich zeitiger und bleibt dafür auch nicht bis in die Puppen auf... Hätt' ich mir zu meinen wilden Zeiten nicht träumen lassen... Gute Sache find' ich inzwischen – besonders im Sommer ;)
Nach fast zwei Stunden war ich dann endlich zurück bei meinem Fahrradverleih um erst mal die Rostlaube gegen die Kaution zurückzutauschen. Mist – Abendessen gibt’s bestimmt keines mehr um die Uhrzeit! Die Ayi, die immer das Essen in der Studenten-WG macht, hat tags zuvor so gegen 6 / halb 7 alle zusammengetrommelt. Also gab's stattdessen eben noch den ein oder anderen Snack an einem der vielen Stände und Buden, die selbst aus den Großstädten gar nicht wegzudenken sind. Wenn man nicht gerade strickt auf die europäischen Hygienerichtlinien bedacht ist, kann man hier recht gut, günstig und besonders vielfältig essen. Also nicht vergessen, beim nächsten China-Besuch: statt ins teure Touristenrestaurant mit englisch-sprachiger Bedienung zu gehen, lieber mal drauf los watscheln und irgendwo in eine der kleinen Seitenstraßen einbiegen, wo es lärmt und sich viele Einheimische dicht an dicht aneinander vorbei schieben... Zu entdecken gibt’s da sicher ne ganze Menge :) Nur auf seine 7 Sachen sollte man dann Acht geben... und immer nen Stadtplan dabei haben, damit es euch nicht genauso ergeht, wie mir ;))

Bis hierhin erstmal tschüß und bis zum nächsten Blog!

 

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