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Yangsheng 养生 - Gesundheitspflege aus Fernost

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Yangshenggong

Yangsheng (gelesen: Yǎng-Shēng) lässt sich übersetzen als Praxis der Gesundheits- und Lebenspflege und gehört zu den kulturellen Schätzen Chinas. Die Methoden des Yangsheng haben eine mehrere tausend Jahre lange Geschichte — noch weit vor dem Entstehen von Qigong oder Tai-Chi suchten die Menschen bereits einfache Mittel und Wege, um durch richtige Lebensweise und verschiedene gymnastische Übungen sowie bestimmte Atemtechniken ihre Gesundheit zu verbessern und dadurch ihr Leben zu verlängern. An dieses Wissen wollen wir anknüpfen und im Kurs eine solide Basis schaffen, mit der ihr in Zukunft auch ganz allein eine Menge für eure Gesundheit und euer eigenes Wohlbefinden tun könnt.

Ursprung des Yangsheng-gong

Die chinesische Kultur besitzt mit ihrer fast 5000-jährigen Geschichte eine fast ebenso lange und sehr facettenreiche Tradition der Pflege von Körper und Geist.

Bereits im Klassiker des 'Gelben Kaisers' zur inneren Medizin (ca. 2600 v.Chr.) lesen wir:

Der Weise lebt entsprechend den Tages- und Jahreszeiten. Er folgt den Wandlungsprinzipien von Yin und Yang und erreicht dadurch Harmonie und ein langes Leben.

Nach und nach wurde jenes Wissen um ein regelmäßiges und gesundes Leben (养生之道 Yǎngshēng zhīdào) immer mehr erweitert, ergänzt und systematisiert. Aus dem einfachen Wissen (知道 zhīdào) um eine gesunde Lebensweise, gesunde Ernährungsgewohnheiten und einfache gymnastische Übungen entwickelten sich so im Laufe der Zeit verschiedenste komplexe Übungen (功 gong) und Methoden zur Pflege der eigenen Gesundheit – mithin von Körper und Geist. Diese wurde daher später auch als 养生功Yangshenggong (gelesen: Yǎng-Shēng-Gōng) bezeichnet.

  • Shēng bedeutet u.a. Leben, Existenz, Wachstum
  • Yǎng lässt sich mit ernähren, pflegen, stärken oder kultivieren übersetzen
  • Gōng kennen wir aus den Begriffen Qigong und Gongfu (Kung-Fu) und verweist in allen Fällen auf eine geduldige, fortwährende Auseinandersetzung mit den jeweiligen Übungsinhalten, auf eine Fähigkeit oder ein Können, welches wir erst durch beständiges Üben erworben haben.

Daher lässt sich Yangsheng bzw. Yangshenggong sehr passend als 'Übungen zur Gesundheits- und Lebenspflege' übersetzen.

Grundsätze des Yangshenggong

daoyintu4Die Grundsätze des Yangshenggong sind die gleichen, wie die des ihm zugrunde liegenden 'Regimens' (养生之道 Yǎngshēng zhīdào) ) zur Gesunderhaltung von Körper und Geist: Die Kernideen bilden dabei Harmonie, Balance und Natürlichkeit. Mit Harmonie ist dabei die Harmonie zwischen der Natur als Makrokosmos und dem Mensch als Mikrokosmos (deren Teil und direktes Abbild im Kleinen er ist) gemeint. Dies ist eine typisch taoistische Sichtweise. Aber auch die Balance der beiden Qualitäten Yin und Yang ist hier besonders wichtig – sei es nun bezogen auf Aktivität und Ruhe (Stichwort 'work-life-balance'), auf Körper und Geist, unsere Lebensmittel (jede Speise hat entweder mehr Yang oder Yin-Charakter) oder unsere Lebensenergie Qi.

Im Yangsheng geht es darum, die Zirkulation des Qi in den Meridianen aufrecht zu erhalten, zu verbessern und zu lenken. Ziel ist es, die Organe zu harmonisieren (und dadurch ihre Funktion zu verbessern), die Essenz jīng zu erhalten, aber auch den Geist (unser psychisches und emotionales Wohlbefinden) zu pflegen. So empfiehlt bereits des Klassiker des Gelben Kaisers neben verschiedenen gymnastischen und Atemübungen besonders eine gemäßigte Stimmungslage, sowie ein einfaches und möglichst unaufgeregtes (stressarmes) Leben.


Ziele des Yangshenggong

Wer glaubt, dass es mit ein wenig Gymnastik im Sinne des alt-deutschen Turnens getan sei, der irrt. Denn das Yangshenggong legt nicht nur Wert auf die körperliche Gesundheit, sondern ebenso auf psychisches und emotionales Wohlbefinden. Während die äußerlichen Bewegungen zur Kräftigung des Körpers gedacht sind, zielen das bewusste Atmen und Lenken der Aufmerksamkeit auf die 'funktionelle' Ebene und damit besonders auf die ungestörte Zirkulation des Qi ab.

Im Yangshenggong stehen drei Aspekte im Mittelpunkt: 养身 (yǎng shēn – ein gesunder Körper), 养心 ( yǎng xīn – das 'Herz', unser emotionales Wohlbefinden ) und 养神 (yǎngshén – den Geist kultivieren).

  • Auf der körperlichen Ebene geht es darum, Krankheit vorzubeugen, die eigene Konstitution zu stärken und die Gesundheit über das 'Mittelmaß' hinaus zu verbessern. Dies wird neben verschiedenen ganz alltäglichen und gesundheitsförderlichen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten auch durch die bewusste körperliche Aktivität, durch sanfte Bewegung und Dehnung sowie eine tiefe und regelmäßige Atmung der Übungen erreicht.
     
  • Bei der Pflege unserer psychischen und emotionalen Gesundheit geht es darum, unser 'inneres Gleichgewicht' wieder herzustellen, vom Stress abzuschalten und zu lernen, wie man diese Balance auch in emotional schwierigen Situationen aufrecht erhält. In den Klassikern wird nicht umsonst immer wieder von der 'heiteren Gelassenheit' gesprochen, die so wichtig für unsere psychische und emotionale Gesundheit ist.
     
  • Das 'Kultivieren' des Geistes schließlich kann z.B. durch Meditation, aber auch eine aufmerksam vollzogene Tee-Zeremonie, das Lesen eines guten (anspruchsvollen) Buches oder eine angeregte Unterhaltung mit ein paar guten Freunden geschehen.

Was wir in unserem Kurs in Leipzig lernen

Seit jeher wurde unter den verschiedensten berühmten Denkern und Ärzten diskutiert, welche Methoden wohl am besten geeignet seien, um Gesundheit und ein langes Leben zu erlangen. Neben guten Ernährungs- und Lebensgewohnheiten wurde die regelmäßige Bewegung in Verbindung mit tiefer Atmung jedoch von allen als die wichtigste und effektivste betrachtet. Hierzu zählen z.B. auch das Tai Chi (Taijiquan), das Qigong oder die Übungen des Daoyin.

Daoyin - zurück zu den Wurzeln:

In unserem Kurs lernen die Teilnehmer deshalb verschiedene Aspekte des 导引Daoyin kennen. Daoyin ist eines der ältesten Systeme mit traditionellen Übungen zum Kultivieren von Körper und Geist. Oft wurden hierfür auch die Umschreibungen 导气引体 dǎo qì yǐn tǐ (das Qi lenken und den Körper strecken) oder 导气引疗 dǎo qì yǐn liáo (das Qi lenken und Krankheiten heilen/vorbeugen) verwandt. Beide beschreiben jedoch wichtige Aspekte des Daoyin: zum einen die körperliche Ausführung bzw. Technik und zum anderen das Ziel, unser Qi zu 'führen' und zu lenken, um dadurch einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit zu erreichen. Eine der bekanntesten Daoyin-Übungen, die heute auch oft zum Qigong gezählt wird, sind z.B. die 8 Brokate (八段锦 bā duàn jǐn). 

Die drei Prinzipien des Daoyin:

Folgt man den klassischen Schriften, so sind Körper und Geist eine untrennbare Einheit – verbunden durch unsere Atmung. Der Geist existiert erst durch seine körperliche Grundlage – und der Körper lebt erst durch den Geist und das in ihm zirkulierende Qi. Die körperliche Gesundheit zu verbessern, kann nicht ohne den Geist und ein bestimmtes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration geschehen – umgekehrt ist es leichter den Geist durch die richtige Atmung und Bewegung zu 'regulieren'. Und unsere Atmung wiederum lasst sich erst durch die richtige Körperhaltung und ein entsprechendes Fokussieren der Aufmerksamkeit verbessern. Alle östlichen Übungssysteme berücksichtigen diese Prinzipien gleichermaßen. Seien es nun Qigong oder Yoga, Kampfkunst oder Gesundheitsübung.

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Drei Aspekte sind für die Übungen des Daoyin deshalb von zentraler Bedeutung: die Bewegung, die Atmung und die bewusste Aufmerksamkeit bzw. Konzentration auf das eigene Tun.

  • Die Bewegung (运动导引yùndòng dǎo yǐn) - Hier geht es darum, den ganzen Körpern durch zu bewegen, alle Gelenke zu mobilisieren und die Muskeln zu dehnen

  • Die Atmung (呼吸导引 hūxī dǎo yǐn) – Im Mittelpunkt steht die bewusste und tiefe Atmung sowie das Kontrollieren und Lenken der Atmung in Harmonie mit den einzelnen Bewegungen

  • Aufmerksamkeit und Konzentration (意念导引 yìniàn dǎo yǐn) - Daoyin ist mehr als Gymnastik mir tiefer Atmung. Wichtig ist im fortgeschrittenen Stadium auch das Fokussieren der Aufmerksamkeit auf bestimmte Punkte im Körper, die für den Fluss des Qi von Bedeutung sind, sowie das Ausführen aller drei Aspekte in Einklang und Harmonie.

Auf diesen drei Grundprinzipien beruhen auch die sogenannten 'drei Regulierungen' 三调 (sān tiáo), welche die Basis einer jeden der traditionellen Daoyin-Übungen bilden:

    • den Körper regulieren (调身 tiáo shēn)

    • den Atem regulieren (调吸 tiáo xi)

    • den Geist ('das Herz') regulieren (调心 tiáo xīn)

Neben dem Erlernen einfacher Übungen aus dem Daoyin vermitteln wir unseren Teilnehmern im Kurs auch 'ganz nebenbei' das entsprechende Wissen, um auch im Alltag etwas für Ihre Gesundheit zu tun – so wie es bis heute für viele Chinesen ganz selbstverständlich dazu gehört. Ergänzt werden die Inhalte durch einige einfach zu erlernende Techniken der Selbstmassage (besonders Gesicht, Nacken und Schultern), die ihr in weniger als 5 Minuten überall durchführen könnt, wenn ihr einfach mal eine kleine Pause braucht.

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, dann vereinbart doch einfach einen Termin und kommen zu einer der nächsten Schnupper-Stunden vorbei. Wir freuen uns auf euch!

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